Letzte Aktualisierung der Termine: 09.05.2012.
»Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten nicht unsere Sache, so ist desto gewisser, was wir gegenwärtig zu vollbringen haben, ich meine die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, daß die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten.« (Karl Marx)
Der Rote Freitag
Teach Ins
Aufzeichnungen
Kontakt
„Was gibt’s Neues?“ Sex and Crime, Sport und Kultur, Lokalnachrichten und Promi-Skandale:
Die skandalösen Leistungen der Massenpresse in der Demokratie
Datum: Montag, 21.05.2012
Beginn: 19:30 Uhr
Ort: Festsaal Kreuzberg
Achtung geänderter Ort: "Monarch" Skalitzer Str. 134, 50 Meter links vom Festsaal Kreuzberg
Schlagzeilen aus einer Woche BILD-Zeitung:
++ Prozess gegen Monster Breivik: Das Lügengebäude des Teufels-Killers bröckelt! ++ Liebesdrama! Let’s-dance-Star von Freund inflagranti erwischt? ++ Gomez versenkt Real! ++ ARD schaltet Gottschalk ab! ++ Grass empört Deutschland: Irres Gedicht gegen Israel! Kachelmann schreibt Buch über Gerechtigkeit! ++ Brangelina verlobt! ++ Kate endlich schwanger? ++ Diese Zahl rockt Deutschland: 17 Millionen Gehalt für VW-Winterkorn! ++ Obamas Leibwächter: Jetzt packt die erste Hure aus! ++ 25 Grad: Nächste Woche kommt bei uns der Frühling! ++
Die Welt, wie sie von den Massenmedien präsentiert wird, mag als riesiges Durcheinander erscheinen, wo das Wichtige unwichtig und das Unwichtige wichtig ist – das Chaos der Meldungen, Themen und Stories der sog. Boulevard-Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen hat den einen gemeinsamen Nenner: Über die private Anteilnahme an allem und jedem, was am Wohnort, in der Nachbarschaft vor und hinter der Haustür oder bei den Schicken, Reichen & Mächtigen passiert, wird das Publikum zu einer Gemeinde zusammengefasst, als ein im moralischen Gefühl vereintes Volk angesprochen. Berichtenswert sind x-beliebige Ereignisse „von öffentlichem Interesse“ – also alles, was berufsmäßige Meinungsmacher zur Bildung und Pflege eines passenden Heimatbewusstseins der regierten Masse für tauglich erachten.
Die Auswahl der Gegenstände hat Methode; denn die Neugier, die die Presse bedient, schürt sie selber. Tägliches „Infotainment“ bietet Nachrichten aus der Welt der ökonomischen, politischen wie privaten Konkurrenz und unterhält ihre Kunden, die diese Welt als Ort voller Chancen und Ungerechtigkeiten betrachten sollen, mit Konkurrenzmoralpur: Du bist Herr deines Erfolges, aber Erfolg allein macht nicht glücklich! Es erzählt Geschichten, die nur spannend sind, weil sie die gültigen Maßstäbe von Erfolg und Anstand abrufen und mit Stoff füttern: Gewinnertypen mögen wir, Loser nicht; sittliche Vorbilder gibt es oben wie unten, egoistische Schweine auch; Herr und Frau WIR schämen sich für unwürdige Dichter und quotenschwache Witzbolde, die Siege ihrer Kicker- oder Sängereliten empfinden sie als schwarz-rot-geil; und die amoklaufenden Familienväter oder Ausländerhasser von nebenan sindeinfach keine von uns. Der Adressat solcher „News“ soll zu den herrschenden Lebensbedingungen ein quasi intimes Verhältnis einnehmen – dieses Land ist mein Vater-Land, die zivile Klassengesellschaft inklusive ihres guten oder schlechten Wetters mein Zuhause und jeder Insasse irgendwie mein Kollege. Im Gegenzug haben sich alle eingeborenen und erst recht die zugereisten Mitbürger daran messen zu lassen, ob jeder an seinem Platz das Richtige für diese starke Gemeinschaft tut.
Für die gewünschte Erzeugung eines staatsbürgerlich politisierten Verstandes leisten gerade die Rubriken jenseits von Politik und Wirtschaft einen unverzichtbaren Beitrag; auch „seriöse“ Zeitungen haben ihre Klatschspalten mit Prinzenhochzeiten, Sexskandalen, Casting-Shows oder Frühjahrsmoden; und Lokales geht natürlich immer gut. „Vom Missbrauch des Heimatbegriffs haben sich die Deutschen nie erholt“? Von wegen. Das Deutsche Nachrichtenmagazin geht unter dem Titel „Was ist Heimat?“ auf Spurensuche und entdeckt jenseits rechter „Deutschtümelei“, „unmoderner“ Volksmusik oder verlogener „Idylle“ die wahre Einheit von Mensch und Nation: „Heimat ist hier und jetzt“ – Dortmund, Altötting, Deutschland, mein Zimmer, ich selbst, das Internet.
Die Produktivkraft der freien Presse für die patriotische Verdummung des Volkes soll im Vortrag anhand aktueller Schlagzeilen gezeigt werden.
Thema wird noch bekannt gegeben
Datum: Mittwoch, 13.06.2012
Beginn: 19:30 Uhr
Ort: Festsaal Kreuzberg
Um mit dem GegenStandpunkt ins Gespräch zu kommen, gibt es Gelegenheit.
Jeweils einmal im Monat werden ab 18.30 Uhr im »BAIZ«, Christinenstraße 1 (Ecke Torstraße, Nähe U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz), aktuelle oder grundsätzliche Themen vorgestellt und diskutiert.
Vorschläge zu aktuellen oder grundsätzlichen Themen die diskutiert werden sollen, können an inipfoko@atkktata-gruppesuppe.punktneteet gesendet werden.
nächste Termine:
01.06.2012 Das soziale Netzwerk Facebook
„901 Millionen Menschen gefällt das: facebook. Warum eigentlich?“ (SPIEGEL-Titel)
Die neue Heimat des bürgerlichen Individuums
Die enorme Nachfrage verweist auf den Inhalt des Angebots. Attraktiv ist dieses „Soziale Netzwerk“ als Medium der Selbstdarstellung des „Users“; da ist die schiere Masse an Publikum in der Tat ein Argument. Das Bedürfnis, sich als öffentliche Person zu präsentieren, hat Facebook nicht erfunden, aber perfektioniert: Der herrschenden Sitte der modernen Konkurrenzgesellschaft, nicht nur um Geld und Erfolg, sondern auch um private Anerkennung zu wetteifern, bietet es eine Plattform zum grenzen- und hemmungslosen „Kommunizieren“. 901 Millionen Menschen werben für sich als unverwechselbare Persönlichkeiten und um sie als Marktteilnehmer wird geworben – auf einem Markt, wo neben Waren auch „Freundschaft“, „Status“ und „Lifestyle“ gehandelt werden.
04.05.2012 Der heiße Wunsch des DGB zum 1. Mai:
Gute Arbeit für Europa!
Flugblatt zu den verkehrten Forderungen des DGB
hier
Es ist schon eine Kunst, immer wieder Forderungen zu erfinden, die einerseits klar erkennen lassen, wie schlecht die Menschen dastehen, die dieser Gewerkschaftsbund vertritt, und die andererseits doch niemanden beunruhigen. Mit Gegenwehr und einer Störung des Betriebs – das geht aus der Maiparole ebenso klar hervor – ist nicht zu rechnen.
Für die Millionen Leute, die Scheißjobs mit einer Scheißbezahlung haben, hat der DGB etwas im Programm. Zugleich stellt er klar, dass seine Klagen mit einer Kampfansage an diese Arbeitsbedingungen nicht zu verwechseln sind. Den Leuten, die er vertritt, legt er gleich nichts anderes als einen Wunsch nach Arbeit in den Mund: Sie wollen den Dienst an der deutschen Wirtschaft, an Deutschland und neuerdings an Europa leisten, der von ihnen erwartet wird. Und sie verlangen dafür nichts, was sich für den Arbeiterstand nicht gehört – weder nach Faulenzen steht ihnen der Sinn, noch nach Millionenboni: Sie wünschen sich Arbeit, noch nicht einmal gut bezahlt, sondern nur fair und am liebsten unter den bis vor 10 Jahren üblichen Anstellungsbedingungen. Die – das verrät die Parole von der guten Arbeit schon auch – gibt es nicht mehr.
Dazwischen liegt nämlich eine Zeit, in der Gewerkschaftsführer nicht gute Arbeit, sondern Arbeit ohne alle Zusätze gefordert haben: Schafft Arbeit, Arbeit, Arbeit! Für die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen haben sie die sozialen Errungenschaften in Sachen Lohn, Arbeitszeit, sozialer Sicherheit, die sie in einem Jahrhundert herausgeholt hatten, zur Verhandlungsmasse erklärt und drangegeben. Jetzt haben sie Arbeit, Arbeit, Arbeit – von der viele nicht mehr leben können. Jetzt können sie dem Kapital deren Veredelung ans Herz legen.
Wie viele Denkfehler muss begehen, um wie viele Ecken muss herumdenken, wer am 1. Mai „Gute Arbeit für Europa“ in den Frühlingshimmel schreit?
Weil diese Fehler nicht nur gezählt, sondern kritisiert werden sollen, gibt es dazu diesen Roten Freitag.
Der Kampf der Euro-Staaten um ihren Nationalkredit
Anmeldung erforderlich:
hier
Termin 1: 25.04.2012
Termin 2: 23.05.2012
Termin 3: 19.06.2012
Lektüretipp zu den Terminen:
„Fortschritte in der Krisenkonkurrenz der Weltwirtschaftsmächte“ - Gegenstandpunkt 4 – 2011
„Der Fiskalpakt – Europas Wunderwaffe gegen die Krise“- Gegenstandpunkt 1 – 2012
„Expertenregierungen für Europas Pleiteländer“- Gegenstandpunkt 1 – 2012
GEGENSTANDPUNKT 1-2012 ist am 23.03.2012 erschienen
Inhalt:
weitere Informationen zum Inhalt
hier
Direktbestellung beim Verlag:
www.gegenstandpunkt.com
oder im Buchhandel für € 15,- mit der Bestellnummer ISSN 0941-5831 erhältlich .
Freerk Huisken
Der demokratische Schoß ist fruchtbar...
Das Elend der Kritik am (Neo-)Faschismus
176 Seiten
EUR 14.80
ISBN 978-3-89965-484-4
weitere Informationen zum Inhalt
hier